Nominiert zum Trainer des Jahres: Siegfried Schmidt (TuS Röddensen)

Denkt man an nötige Qualifizierungen, die einen Trainer des Jahres auszeichnen, dann fallen einem zuerst taktische Meisterleistungen oder sensationelle Erfolge ein. Für die Nominierung von Siegfried Schmidt vom Lehrter Dorfverein TuS Röddensen greifen dagegen ganz andere Faktoren: Der 57-jährige ist nicht durch geniale Schachzüge oder beeindruckende Siegesserien aufgefallen, sondern durch sein großes Herz und seinen persönlichen Einsatz.

Konkret: Schmidt gründete im vergangenen Jahr im 260-Seelen-Dorf eins der ersten Asylbewerber-Teams in ganz Deutschland. Das „Mandela-Team“ geht als TuS Röddensen III seit dieser Saison sogar im regulären Spielbetrieb in der 4. Kreisklasse auf Punktejagd. Eine Meisterleistung wie sie nicht in einem Taktikbuch zu finden ist.

Ein wahres Erfolgsprojekt

Eigentlich wollte sich der C-Lizenz-Inhaber, der sein ganzes Leben ehrenamtlich aktiv ist, Anfang des vergangenen Jahres als Trainer der zweiten Mannschaft etwas zurückziehen. Durch sein Engagement bei der Lehrter Tafel lernte er jedoch einige Flüchtlinge kennen: „Die Asylbewerber waren meist unter sich, kamen kaum mit anderen Leuten in Kontakt und lebten ihn ihrem Heim meist wie in einem Käfig ohne soziale Bindung nach außen“, sagt Schmidt. Für ihn konnte und durfte es so nicht weitergehen. Gesagt, getan: Zwei Tage nach dem ersten Treffen am 24. April leitete Schmidt das erste Training der Asylbewerber.

Es bildete sich ein Team und Schmidt beschloss es in dieser Saison für den Spielbetrieb anzumelden. Doch dafür waren weitere Hürden zu überwinden. „Viele von den Flüchtlingen hatten keine Klamotten wie Schuhe oder Schienbeinschoner. Wir wussten nicht, wie sie ohne Auto zu den Spielorten kommen sollten und wie das mit der Spielberechtigung funktionieren soll“, erklärt Schmidt. Doch auch hier fanden sich mithilfe von Sponsoren Lösungen, sodass die Mannschaft in der 4. Kreisklasse starten durfte.

Inzwischen ist das „Mandela-Team“ ein wahres Erfolgsprojekt. 25 Akteure aus aller Herren Länder gehören zum Kader der Mannschaft. Sie alle flüchteten vor Krieg oder Gewalt und lernen nun, dass Deutsche wie Siegfried Schmidt auch über den Einsatz der Behörden hinaus sie unterstützen. „Beide Seiten profitieren davon. Die Flüchtlinge werden integriert, kommen mit anderen Menschen in Kontakt und lernen nebenbei unsere Trainingssprache Deutsch. Und wir sammeln ebenfalls Kenntnisse über deren Kultur.“

Einen Gang runterschalten

Das größte Plus dürfte für die Asylbewerber aber sein, dass Schmidt durch seine guten Kontakte in die Politik bereits einige Abschiebungen verhindern konnte. Ganz vermeiden ließen sie sich jedoch nicht, weswegen das Team ständig mit wechselndem Kader unterwegs ist. In diesem Jahr will Schmidt nun wirklich einen Gang runterschalten und hat mit dem Lehrter Dirk Ewert einen neuen Trainer für das „Mandela-Team“ gewinnen können.

Ganz verabschieden aus der ehrenamtlichen Arbeit wird er sich aber nicht. „Es hat sehr viel Spaß mit den Jungs gemacht und deswegen bleibe ich dabei.“

Von Sascha Priesemann

Quelle: Sportbuzzer

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